StartMarokkoMarokko – Möglicher Subventionsskandal könnte Viehzuchtbranche erschüttern

Marokko – Möglicher Subventionsskandal könnte Viehzuchtbranche erschüttern

Reformbedarf und Transparenzforderungen

Alarmierende Unregelmäßigkeiten bei Viehsubventionen – Ermittlungen könnten auf systematischen Betrug bei öffentlichen Fördergeldern für Schaf- und Ziegenzüchter hinweisen

Rabat – Ein aktueller Bericht der Tageszeitung Al Akhbar, weist auf mögliche schwerwiegende Unregelmäßigkeiten im marokkanischen System der Subventionierung von Schaf- und Ziegenzüchtern hin. Demnach könnten über Jahre hinweg öffentliche Mittel in Millionenhöhe an Empfänger gezahlt worden sein, deren Viehherden entweder nie existierten oder nur kurzfristig beschafft wurden, um Förderbedingungen formal zu erfüllen.

Im Zentrum der Kritik steht der Nationale Verband der Schaf- und Ziegenzüchter (ANOC), der für rund 30 Prozent der insgesamt ausgezahlten Subventionen verantwortlich ist. Laut Al Akhbar in der Ausgabe vom 16. Juli werfen mehrere Quellen dem Verband vor, systematisch die nationalen Bestandszahlen künstlich aufgebläht zu haben. Die Subventionen beliefen sich dabei auf 750 marokkanische Dirham pro Tier – auch an Personen, die de facto keine Tiere hielten.

Systematischer Betrug durch Scheintransaktionen

Die vom Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Viehzählung habe Details ans Licht gebracht, die auf strukturellen Betrug hindeuten könnten. Einige Antragsteller sollen Tiere kurzfristig auf lokalen Märkten gekauft und nach Erhalt der Subventionen wieder verkauft haben – ein klarer Verstoß gegen die Förderkriterien. Diese schreiben eine fünfjährige Haltung der subventionierten Tiere vor.

Noch raffinierter erscheint eine andere betrügerische Praxis: Dem Bericht zufolge vermieten manche Personen Schafe für rund 150 Dirham pro Tier, kassieren anschließend die staatliche Förderung von 750 Dirham und geben die Tiere danach an ihre Eigentümer zurück. Der Gewinn: ein Vielfaches der Mietkosten – zu Lasten des öffentlichen Haushalts.

Politische Kritik und Forderung nach Aufklärung

In einer Sitzung des Repräsentantenhauses am 14. Juli bezog auch die Parlamentsfraktion der Partei des Fortschritts und des Sozialismus (PPS) Stellung. Fraktionschef Rachid Hamouni kritisierte die „unrealistischen und überhöhten Zahlen“, mit denen die ANOC operiere. Er warf dem Verband vor, durch Intransparenz und interne Repression – etwa durch den Ausschluss unbequemer Mitglieder – eine kritische Überprüfung systematisch zu erschweren.

„Ein Verband, der von Subventionen in Millionenhöhe profitiert, muss sich für seine Taten verantworten“, forderte Hamouni laut Al Akhbar und appellierte an Landwirtschaftsminister Ahmed El Bouari, eine umfassende Untersuchung einzuleiten.

Reformbedarf und Transparenzforderungen

Die aktuelle Diskussion wirft grundlegende Fragen zur Kontrolle staatlicher Fördermittel und zur Rolle von Branchenverbänden in Marokko auf. Die Forderung nach institutioneller Transparenz und unabhängiger Überwachung wird lauter. Zugleich könnte der drohende Skandal exemplarisch aufzeigwn, welche Risiken mit unzureichend überprüften Fördersystemen verbunden sind – insbesondere in Bereichen wie der Landwirtschaft, in denen viele Akteure von informellen Praktiken leben.

Ob und in welchem Umfang sich die Annahmen bestätigen und strafrechtliche Konsequenzen folgen, ist bislang unklar. Klar ist hingegen: Der Ruf der ANOC und das Vertrauen in das Subventionssystem haben bereits jetzt erheblich gelitten. Es bleibt abzuwarten, ob der politische Druck ausreicht, um strukturelle Reformen anzustoßen.

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