Fokus auf Modernisierung und Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie soll Wettrüsten in der Region vermeiden helfen.
Rabat – Der inzwischen vom Parlament überwiegend verabschiedete Finanzgesetzentwurf 2026 für die Nationale Verteidigungsverwaltung (ADN) sieht ein Militär- und Rüstungsbudget von ca. 73 Milliarden marokkanische Dirham (MAD) vor, ca. 6,83 Mrd. Euro. Dies entspricht einer nominalen Steigerung von 3,3 Milliarden MAD bzw. 4,8 % gegenüber den 69,7 Milliarden MAD des Jahres 2025. Die Veröffentlichung dieser Zahlen folgte auf eine mehrtägige Medienberichterstattung, in dem Zahlen mutmaßlich „zu voreilig kommentiert, teils missverstanden und oft hochgerechnet worden waren“, so das Nachrichtenportal Le360.ma in einem Bericht zur Haushaltsdebatte
Der dem Regierungschef beigeordnete Minister für die Nationale Verteidigungsverwaltung, Abdellatif Loudiyi, stellte im zuständigen Parlamentsausschuss klar, dass die Erhöhung des Haushalts primär operative Bedürfnisse und bereits vertraglich vereinbarte Programme widerspiegelt.
Ein wesentlicher Punkt der Klarstellung betrifft die 157 Milliarden MAD, die im Haushaltsentwurf dem ADN zugewiesen wurden. Laut Loudiyi stellen diese kein Budget dar, das bereits ausgegeben oder für das kommende Jahr bereitgestellt wurde. Es handelt sich vielmehr um mehrjährige Genehmigungen (Vorabzusagen), die den Abschluss langfristiger Verträge, insbesondere im Verteidigungsbereich, ermöglichen sollen. Diese Verträge erstrecken sich teilweise über mehr als ein Jahrzehnt.
Relativer Rückgang und Regionaler Kontext
Trotz des nominalen Anstiegs der Verteidigungsausgaben betont die Regierung, dass der Anteil des reinen Militärbudgets am Staatshaushalt leicht sinkt, nämlich von 4,5 % im Jahr 2025 auf 4 % im Jahr 2026. Dieser Rückgang soll Behauptungen über einen plötzlichen Anstieg der Militärausgaben widersprechen.
In Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) mobilisiert Marokko um die 5 % des BIP für Verteidigung, was der von der NATO geforderten Quote entspricht und im Durchschnitt afrikanischer Länder liegt.
Diese haushaltspolitische Haltung wird in direkten Kontrast zur Strategie des östlichen Nachbarn Algerien gesehen. Algerien habe für 2026 ein Militärbudget von rund 25 Milliarden US-Dollar verabschiedet, was fast 20 % des Gesamthaushalts entspräche und mehr als dem Dreifachen des von Rabat angekündigten Budgets, rund 7,91 Milliarden US-Dollar.
Während Algerien eine strukturelle Aufrüstungspolitik verfolge, verfolge Rabat einen diametral entgegengesetzten Ansatz. Laut Mohammed Loulichki, Senior Fellow am Policy Center for the New South (PCNS), beteiligt sich Marokko nicht an einem Rüstungswettlauf, sondern modernisiert seine Verteidigungsfähigkeiten bedarfsorientiert und nicht als Reaktion auf die Absichten seines Nachbarn. Ein Verteidigungsexperte kommentierte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Telquel: „Algier akkumuliert, Rabat strukturiert. Algier baut auf, um zu imponieren, Rabat baut auf, um zu transformieren.
Aufbau einer Verteidigungsindustriellen und einer autonomen technologischen Basis
Ein Hauptfokus der Marokkanischen Strategie ist der Aufbau einer eigenen Verteidigungsindustriellen und Technologischen Basis (BITD). Für den Kauf von Waffen und Ausrüstung sowie zur Unterstützung der BITD sind im Budget 2026 17,7 Milliarden MAD vorgesehen, was einer Steigerung von 24 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Seit Inkrafttreten des entsprechenden Rechtsrahmens wurden Investitionen in Höhe von insgesamt 2,4 Milliarden MAD in die Verteidigungsindustrie getätigt. Diese Mittel umfassen zehn Projekte, die laut ADN (National Defense Agency) voraussichtlich 2.500 direkte Arbeitsplätze schaffen werden. Die Hälfte dieser Projekte befinde sich entweder in der Studienphase oder im finalen Genehmigungsverfahren berichtet Le360.ma. Das geschätzte Gesamtinvestitionsvolumen könnte bei ca. 260 Millionen US-Dollar für zehn genehmigte Industrieprojekte liegen.
Konkrete Projekte sind bereits angelaufen:
- Berrechid: Ein Werk von Tata Advanced Systems Morocco wurde eingeweiht, das gepanzerte Fahrzeuge des Typs WhAP 8×8 mit einer hohen lokalen Integrationsrate von zunächst 35 % produzieren soll. Dieses Werk soll als regionale Plattform für den Export nach Afrika dienen.
- Benslimane: Hier wurde der Grundstein für ein Wartungszentrum für F-16- und C-130-Kampfflugzeuge gelegt, das ebenfalls zu einem regionalen Zentrum für den Export ausgebaut werden soll.
- Drohnenproduktion: BlueBird und Baykar (über Atlas Defense) planen Produktionsstätten für Drohnen, darunter die SPY-X, in Marokko, was einen organisierten Technologietransfer einschließe.
Die Gesamtstrategie ziele darauf ab, komplementäre Segmente derselben Wertschöpfungskette (gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen, Luftfahrttechnik, Wartung) aufzubauen und so ein nationales Ökosystem zu etablieren.
Stärkung der Cybersicherheit
Angesichts der Zunahme von Cyberangriffen auf das Königreich liegt ein weiterer Fokus auf der Stärkung der Generaldirektion für Informationssystemsicherheit (DGSSI). Im Jahr 2025 wurden von der Cyberabteilung der DGSSI 109 direkte Interventionen durchgeführt. Die DGSSI veröffentlichte im selben Zeitraum 879 Warnungen vor Cyberangriffen.
Um die DGSSI zu stärken, wurde der Rechtsrahmen reformiert, um die Rekrutierung von Fachkräften zu ermöglichen, die zuvor aus der Privatwirtschaft stammten.
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