StartKulturMarokko - Das Verstummen einer nationalen Stimme

Marokko – Das Verstummen einer nationalen Stimme

Ein Repertoire zwischen klassischer Poesie und kulturellem Erbe

Mit dem Tod von Abdelhadi Belkhayat verliert die maghrebinische Kulturlandschaft einen Pionier des modernen Gesangs und einen Botschafter der marokkanischen Identität.

Rabat – Marokko nimmt Abschied von einer seiner prägendsten künstlerischen Persönlichkeiten. Wie die offizielle Nachrichtenagentur MAP berichtete, verstarb der Sänger Abdelhadi Belkhayat am vergangenen Freitag im Alter von 86 Jahren. Über fünf Jahrzehnte hinweg prägte er die Musikgeschichte des Königreichs und galt weit über die Landesgrenzen hinaus als eine der einflussreichsten Stimmen der arabischen Welt.

Vom Handwerk zur Bühne: Ein Werdegang geprägt durch Beständigkeit

Belkhayats Aufstieg war keineswegs vorgezeichnet. Geboren in Fès in einfachen Verhältnissen, arbeitete er in seiner Jugend zunächst in einer Tischlerwerkstatt, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Seine künstlerische Laufbahn begann in den 1960er Jahren, als er unter der Förderung des Talentsuchers Abdennabi El Jerari erste Erfolge im Radio feierte. Er wurde zum Gesicht einer Ära, die heute als das „goldene Zeitalter“ des marokkanischen Liedes gilt.

Ein Repertoire zwischen klassischer Poesie und kulturellem Erbe

Belkhayat zeichnete sich durch eine seltene stilistische Flexibilität aus. Er beherrschte sowohl die anspruchsvolle, klassische Dichtung als auch volkstümliche Rhythmen. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen:

  • „Al Qamar Al Ahmar“ (Der rote Mond), für das er 1973 eine Goldene Schallplatte erhielt.
  • „Qitar Al Hayat“ (Der Zug des Lebens), das bis heute als Klassiker gilt.
  • „Al Mounfarija“, ein Werk aus seiner späteren, spirituell geprägten Schaffensphase.

Patriotismus und internationale Strahlkraft

Trotz verlockender Angebote aus der damaligen Kulturmetropole Kairo entschied sich Belkhayat bewusst gegen eine dauerhafte Emigration. Während er in Ägypten Legenden wie Mohammed Abdel Wahab beeindruckte, blieb er seiner Heimat treu. Er festigte damit die Eigenständigkeit der marokkanischen Musik gegenüber den dominierenden nahöstlichen Einflüssen. Neben der Musik wirkte er zudem in Filmproduktionen wie „Silence, sens interdit“ (1973) mit.

Sein Rückzug aus dem kommerziellen Musikgeschäft im Jahr 2010 markierte das Ende einer aktiven Ära, doch sein Einfluss auf nachfolgende Generationen von Musikern im Maghreb bleibt bestehen. Mit Belkhayat verliert die Region nicht nur einen Sänger, sondern einen kulturellen Brückenbauer.

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