Präsident Kais Saied übermittelte einen scharfen Protest an EU-Botschafter Giuseppe Perrone. Hintergrund ist dessen Treffen mit dem mächtigen UGTT-Gewerkschaftschef Noureddine Taboubi.
Tunis – Am 26. November 2025 bestellte der tunesische Präsident Kais Saied den EU-Botschafter in Tunesien, Giuseppe Perrone, in den Palast von Karthago ein. Laut einer Pressemitteilung des Präsidialamtes übermittelte Saied dem Botschafter einen scharf formulierten Protest gegen die „Nichteinhaltung diplomatischer Regeln“ und das Handeln außerhalb der anerkannten offiziellen Rahmenbedingungen der diplomatischen Normen. Die tunesische Präsidentschaft konkretisierte die angeblichen Verstöße in ihrer knappen offiziellen Erklärung nicht weiter
Treffen mit dem UGTT-Gewerkschaftschef löst Reaktion des Präsidenten aus.
Der Anlass für die Einbestellung und den Protest ist mutmaßlich ein Treffen zwischen Botschafter Perrone und Noureddine Taboubi, dem Vorsitzenden der einflussreichen tunesischen Gewerkschaft UGTT (Union Générale Tunisienne du Travail), das am Montag, den 24. November 2025, stattfand.
Die EU-Delegation in Tunis veröffentlichte nach dem Treffen eine Erklärung, in der Botschafter Perrone die „wichtige Rolle“ der UGTT bei der Förderung des sozialen Dialogs und der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gelobt hatte. Die UGTT gilt als eine mächtige Organisation in Tunesien, die kürzlich mit einem Generalstreik gedroht hatte, um Lohnerhöhungen durchzusetzen. Präsident Saied lehnt es laut der Erklärung des Präsidialamtes ab, dass auf Praktiken außerhalb des durch das diplomatische Protokoll anerkannten offiziellen Rahmens zurückgegriffen wird.
Diese diplomatische Maßnahme unterstreicht die angespannten Beziehungen zwischen der tunesischen Präsidentschaft und internen Akteuren wie der UGTT sowie die Sensibilität der tunesischen Regierung gegenüber vermeintlichen Einmischungen in die Innenpolitik durch externe, in diesem Fall europäische, Vertreter.

