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Tunesien – Außenminister Wadephul reist mit Wirtschaftsdelegation nach Tunis: Fokus auf Lieferketten und Handelsvolumen

Energiewende, Technologie und Sicherheitsfragen

Beim Arbeitsbesuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul in Tunis stehen die Absicherung industrieller Lieferketten, die Handelsbeziehungen sowie Energieprojekte und die regionale Sicherheitslage im Mittelpunkt.

Tunis – Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist am heutigen Montag (31. August 2026) zu einem Arbeitsbesuch in der tunesischen Hauptstadt Tunis eingetroffen. Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes stehen Gespräche mit dem tunesischen Außenminister Mohamed Ali Nafti sowie Treffen mit Wirtschaftsvertretern auf der Agenda. Wadephul wird von einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. Am Nachmittag setzt der Minister seine Nordafrikareise mit einem Besuch in der algerischen Hauptstadt Algier fort.

Enge wirtschaftliche Verflechtung und Handelsbilanz

Der Besuch findet vor dem Hintergrund enger bilateraler Wirtschaftsbeziehungen statt. Das Gesamthandelsvolumen zwischen Deutschland und Tunesien beläuft sich auf rund 5,4 Milliarden Euro, so das Auswärtige Amt mit Stand 2025. Deutschland verzeichnet im Austausch mit dem nordafrikanischen Land ein Handelsbilanzdefizit von etwa 1,2 Milliarden Euro: Während die deutschen Ausfuhren nach Tunesien bei knapp 2,1 Milliarden Euro liegen, importiert die Bundesrepublik Waren im Wert von rund 3,3 Milliarden Euro. Für Tunesien ist Deutschland nach Frankreich und Italien der drittwichtigste Handelspartner.

Automobilzulieferung und industrielle Standards

Ein zentraler Treiber des bilateralen Warenaustauschs ist der Fertigungs- und Zuliefersektor. Mehr als 260 deutsche Unternehmen sind mit eigenen Niederlassungen in Tunesien präsent und beschäftigen dort rund 100.000 Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt auf der Produktion von Kabelbäumen, Fahrzeugleitungssätzen und elektronischen Bauteilen. Diese Vorprodukte fließen direkt in die Fertigungsketten der deutschen Automobilindustrie ein. Vor seiner Abreise betonte Wadephul, wie zentral widerstandsfähige Lieferbeziehungen zu Tunesien für die heimische Industrie sind.

Energiewende, Technologie und Sicherheitsfragen

Neben der industriellen Zulieferung bildet die Zusammenarbeit im Energie- und Tech-Sektor einen Schwerpunkt der Gespräche. Auf dem Programm stehen Konsultationen über die Einbindung Tunesiens in europäische Energieinfrastrukturen, Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Zudem besucht die Delegation ein tunesisches Start-up aus dem Bereich Robotik.

Der Arbeitsbesuch fällt mit dem 70. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen beider Staaten zusammen. Neben den wirtschaftspolitischen Themen stehen regionale Sicherheitsfragen im Fokus: Beide Seiten streben eine Stabilisierung der Sahel-Zone sowie die Absicherung der Handels- und Seewege im Nahen Osten an. Nach Abschluss der Termine in Tunis reist Wadephul nach Algier weiter, wo unter anderem Treffen mit Außenminister Ahmed Attaf und Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune geplant sind.

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