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Marokko – Wiederaufbau im Atlas – Offizielle Erfolgsmeldungen und kritische Stimmen zum dritten Erdbebenwinter in Al Haouz

Dritter Winter in Zelten: Das Umfeld der Betroffenen

Zwei Jahre nach der Erdbebenkatastrophe in Al-Haouz zeichnen Regierungszahlen ein optimistisches Bild des Wiederaufbaus. Doch angesichts des nahenden dritten Winters in Notunterkünften fordern Oppositionelle mehr Tempo und soziale Gerechtigkeit für die Opfer.

Rabat – Die marokkanische Regierung präsentierte kürzlich eine positive Bilanz der Wiederaufbaubemühungen nach dem verheerenden Erdbeben vom September 2023 vor dem Parlament. Am vergangenen Montag, dem 25. November 2025, teilte die Ministerin für nationale Raumplanung, Stadtplanung, Wohnungsbau und Stadtpolitik, Fatima Ezzahra El Mansouri, dem Repräsentantenhaus mit, dass bis zum 10. November 53.648 Häuser im Al-Haouz-Gebiet wiederaufgebaut worden seien.

Laut einem Bericht der Nachrichtenplattform TelQuel präzisierte El Mansouri, dass sich zusätzlich 53.374 Häuser in der Phase der Errichtung der Tragkonstruktionen befänden und 58.945 Baugenehmigungen erteilt wurden. Im Rahmen des „Direkten Wohnbeihilfeprogramms“ hätten zudem 75.760 Bürger Unterstützung erhalten, wobei 62 % der Begünstigten 70.000 marokkanische Dirham MAD und 38 % 100.000 MAD zugesprochen wurden.

Die Ministerin betonte die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Programms, zu denen unter anderem ein Anstieg der Zementverkäufe um 11,29 % und die Schaffung von 74.000 Arbeitsplätzen im Baugewerbe zählten. Darüber hinaus hob sie die Erfolge anderer Wohnprogramme hervor, etwa die Verbesserung der Lebensbedingungen von 373.927 Familien durch das Programm „Städte ohne Slums“.

Kritik am Tempo und an den sozialen Ungleichheiten

Parallel zu den offiziellen Zahlen wird aus der Opposition vehement Kritik an der Umsetzung und der sozialen Gerechtigkeit der Maßnahmen geübt. Die Abgeordnete Fatima Tamni von der Föderation der Demokratischen Linken (FGD) prangerte als Reaktion im Parlament eine „eklatante Diskrepanz“ zwischen den Verlautbarungen der Regierung und der Realität vor Ort an.

Laut TelQuel erklärte Frau Tamni, dass zwei Jahre nach der Katastrophe das Leid der Opfer weiterhin groß sei, insbesondere angesichts des bevorstehenden dritten Winters in Notunterkünften und der tiefen Temperaturen. Die Abgeordnete warf dem Staat vor, seiner Pflicht zur Gerechtigkeit und Würde gegenüber den betroffenen Familien, die in mehreren Gemeinden der Provinzen Chichaoua, Amizmiz und Al Haouz weiterhin Probleme hätten, nicht nachgekommen zu sein.

Frau Tamni wies insbesondere auf einen Widerspruch hin: „Es macht keinen Sinn, dass hochmoderne Stadien in weniger als zwei Jahren gebaut wurden, während einfache Häuser immer noch nicht wiederaufgebaut wurden.“ Sie kritisierte zudem, dass der Ausschluss vieler Familien aus dem Hilfsprogramm die Ungleichheiten verschärfe, sodass „Dutzende von Haushalten ihre Renovierungen selbst finanzieren“ müssten. Für die Oppositionelle hätte die Situation der Erdbebenopfer bereits „vor mehr als zweieinhalb Jahren“ gelöst werden müssen.

Dritter Winter in Zelten: Das Umfeld der Betroffenen

Das Erdbeben vom September 2023 traf die Region Al Haouz, Teile des Hohen Atlas und angrenzende Gebiete und teils auch Marrakech schwer und forderte Tausende Todesopfer. Während die Wiederaufbaubemühungen offiziell als umfassend dargestellt werden, verdeutlichen die kritischen Stimmen die anhaltenden humanitären Herausforderungen für einen Teil der Bevölkerung. Das Motto „Dritter Winter für Erdbebenopfer von Al Houaz“ beschreibt die Situation vieler Familien, die gezwungen sind, eine weitere kalte Jahreszeit in provisorischen Unterkünften zu verbringen. Die Debatte im Parlament legt somit nicht nur einen Fokus auf die erzielten Fortschritte, sondern beleuchtet ebenso die soziale Dimension und die unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Wiederaufbau zwischen städtischen Infrastrukturprojekten und dem dringenden Wohnbedarf der ländlichen Bevölkerung.

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