Mit einem hochverdienten 2:0-Erfolg gegen die „Unbezähmbaren Löwen“ bricht Marokko den Bann der letzten 22 Jahre und steht in der Runde der letzten vier. Die Atlaslöwen rücken damit dem Traum vom Titel im eigenen Land einen entscheidenden Schritt näher.
Rabat – Die Atmosphäre im ausverkauften Prinz-Moulay-Abdellah-Stadion von Rabat glich einem Hexenkessel, als der mauretanische Schiedsrichter die Partie anpfiff. Für die marokkanische Nationalmannschaft stand mehr auf dem Spiel als nur der Einzug in die nächste Runde: Es ging um das Ende einer über zwei Jahrzehnte währenden Durststrecke. Seit dem Finale 2004 war es Marokko nicht mehr gelungen, die Runde der letzten vier bei einer Kontinentalmeisterschaft zu erreichen.
Brahim Diaz setzt den ersten Nadelstich
Vom Anstoß weg ließen die Gastgeber keinen Zweifel an ihrer Mission. In einem offensiven 4-1-2-3-System schnürten sie die kamerunische Auswahl tief in deren eigener Hälfte ein. Die Gäste, die in einer kompakten 3-5-2-Formation auf Konter lauerten, sahen sich einem permanenten Angriffswirbel ausgesetzt. In der 26. Minute explodierte die Stimmung auf den Rängen: Nach einer präzisen Ecke und einem Kopfball von El Kaabi schaltete Brahim Diaz am schnellsten. Er fälschte den Ball unhaltbar zur Führung ab und markierte damit seinen fünften Turniertreffer.
Kamerun versuchte phasenweise mit körperlicher Härte dagegenzuhalten, doch Marokkos Mittelfeld um den agilen Ismaïl Saibari behielt die Spielkontrolle. Mit über 63 % Ballbesitz in der ersten Halbzeit dominierten die Atlaslöwen das Geschehen fast nach Belieben, während die kamerunischen Sturmspitzen Mbeumo und Kofane weitgehend isoliert blieben.
Spannung hinter den Kulissen: Protest führt zu Schiedsrichtertausch
Dass die Partie unter mutmaßlich neutraler Leitung stattfand, war das Ergebnis eines sportpolitischen Krimis im Vorfeld. Der marokkanische Verband hatte erfolgreich gegen die ursprüngliche Ansetzung eines ägyptischen Referees protestiert. Erst wenige Stunden vor Spielbeginn gab der Verband CAF nach und wechselte das VAR-Team sowie den Hauptschiedsrichter aus – ein ungewöhnlicher Vorgang, der die ohnehin hohe Anspannung dieser prestigeträchtigen Begegnung zusätzlich verschärfte.
Saibari macht den Sack endgültig zu
In der zweiten Halbzeit erhöhte Kamerun das Risiko und kam in der 72. Minute durch einen Flugkopfball von Nkoudou fast zum Ausgleich. Doch die marokkanische Defensive unter der Führung von Nayef Aguerd blieb an diesem Abend nahezu fehlerfrei. Fast im Gegenzug sorgte Saibari in der 74. Minute für die Entscheidung: Mit chirurgischer Präzision verwertete er eine Standardsituation zum 2:0-Endstand.
Trainer Walid Regragui zeigte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich bewegt, aber gewohnt fokussiert. „Wir haben eine jahrzehntelange Barriere durchbrochen, aber die Mission ist noch nicht beendet“, betonte er mit Blick auf das kommende Halbfinale in Marrakech. Dort wartet nun entweder Nigeria oder Algerien auf den Gastgeber. Für Marokko ist die historische Chance auf den Titel nun greifbar nah.
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