Königliche Familie erinnert an den ehemaligen Monarchen Hassan II. mit Gedenkfeiern u.a. im Mausoleum Mohammed V. in Rabat
Rabat – Am 2. Oktober 2025 nahm König Mohammed VI. im Mausoleum Mohammed V. in Rabat an einer religiöse Mahnwache zum Gedenken an den 27. Todestag seines Vaters, König Hassan II. teil. Dabei wurde der Monarch von Kronprinz Moulay El Hassan, Prinz Moulay Rachid und Prinz Moulay Ahmed begleitet.
Die Zeremonie war geprägt von der Rezitation von Koranversen und Lobreden auf den Propheten Mohammed. Anschließend wurden Gebete für die verstorbenen Könige Hassan II. und Mohammed V. gesprochen. Ebenso wurde für die Gesundheit und das Wirken von König Mohammed VI. sowie für die Stabilität des Königreichs gebetet.
Anwesend waren neben Mitgliedern der königlichen Familie auch Vertreter der Regierung, das Präsidium beider Parlamentskammern, hohe Offiziere der Streitkräfte, Mitglieder des diplomatischen Korps sowie zivile und militärische Persönlichkeiten.
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Prinzessin Lalla Meryem führt eigene Gedenkfeier durch
Parallel dazu leitete Prinzessin Lalla Meryem, die ältere Schwester des Königs, eine weitere Mahnwache in der Assouna-Moschee in Rabat. Auch diese Zeremonie war von Koranrezitationen und Gebeten geprägt, die sowohl den verstorbenen Monarchen Hassan II. und Mohammed V. als auch dem amtierenden König gewidmet waren.
Lalla Meryem wurde bei ihrer Ankunft von Regierungs- und Kommunalvertretern begrüßt, darunter die Ministerin für Solidarität, soziale Integration und Familie, Naima Ben Yahya, sowie lokale Verantwortliche aus Rabat-Salé-Kénitra. An der Mahnwache nahmen insbesondere weibliche Angehörige aus Zivilgesellschaft und Militär teil.
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Hassan II. als prägende Figur der marokkanischen Geschichte
Der 27. Todestag Hassan II. ist nicht nur eine Gelegenheit für religiös geprägte Zeremonien, sondern auch Anlass, an die politische und historische Bedeutung des Monarchen zu erinnern.

Während seiner Herrschaft von 1961 bis 1999 prägte der verstorbene König Hassan II. die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes maßgeblich. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen die „Staudammpolitik“, die den Agrarsektor langfristig stärkte, sowie der „Grüne Marsch“ von 1975, der zur „Rückgewinnung“ der Westsahara / marokkanischen Sahara führte. Auch die Rückgabe der Gebiete Sidi Ifni (1969) und Oued Eddahab (1979) gelten als entscheidende Schritte in der Frage der territorialen Integrität. Er hinterließ aber dem Land und seinem Sohn auch einen bis heute bestehenden Konflikt mit Algerien, das mit Marokko um die Vormachtstellung im Maghreb ringt und der wichtigste Unterstützer der Frente Polisario ist, die bewaffnet gegen das Königreich für eine unabhängige Westsahara kämpft.
Außenpolitisch verfolgte Hassan II. eine pragmatische Linie, die sowohl Öffnung gegenüber dem Westen, gute Kontakte in den Osten als auch die Bewahrung der arabisch-islamischen Identität einschloss. Sein Engagement für den afrikanischen Kontinent wurde noch posthum 2022 durch den Panafrikanischen Preis in Äthiopien gewürdigt.
Verbindung von Erinnerung und Zukunft
Das diesjährige Gedenken fällt zeitlich in die Vorbereitungen zum 50. Jahrestag des Grünen Marsches im November 2025. Damit verbindet sich die Erinnerung an König Hassan II. mit einem Ereignis, das bis heute ein zentrales Symbol marokkanischer Staatlichkeit darstellt.
Die Zeremonien in Rabat verdeutlichen zugleich die Rolle der königlichen Familie als Trägerin von Kontinuität: Einerseits in der Bewahrung der Erinnerung an Hassan II., andererseits in der Bestätigung der Loyalität zum aktuellen Herrscher Mohammed VI.
Die gestrigen Feierlichkeiten werden allerdings von sozialen Protesten und Unruhen in zahlreichen Städten des Landes überschattet. Gerade junge Menschen fordern Investitionen in das Bildungssystem und das Gesundheitswesen sowie besser Chancen auf berufliche Entwicklung, wirtschaftliche Teilhabe und individuelle Freiheiten.

