StartMarokkoMarokko – Programm „Noor Atlas“ soll nächste Phase der Solarstrategie einleiten

Marokko – Programm „Noor Atlas“ soll nächste Phase der Solarstrategie einleiten

Technologiewechsel in Midelt: Von der Solarthermie zur Photovoltaik mit Batteriespeicher

Während dezentrale Kraftwerke die regionale Versorgung stärken sollen, rücken bei den Großprojekten in Midelt technologische Innovationen und die Machtverteilung im Energiemarkt in den Fokus.

Rabat – Marokko verfolgt konsequent das Ziel, bis zum Jahr 2030 über 52 % seiner installierten elektrischen Leistung aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Zwei aktuelle Entwicklungen markieren dabei den geplanten Ausbau der nationalen Infrastruktur: Der Start des Programms „Noor Atlas“ sowie die bereits im August 2025 erfolgte Vergabe der Großprojekte Noor Midelt 2 und 3. Beide Vorhaben sollen laut den beteiligten Institutionen nicht nur die CO₂-Bilanz verbessern, sondern auch die Netzstabilität durch moderne Speichertechnologien erhöhen.

Dezentrale Photovoltaik-Anlagen zur Stärkung der regionalen Infrastruktur

Mit der Unterzeichnung der Stromabnahmeverträge (PPAs) zwischen der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie (Masen) und dem Nationalen Amt für Elektrizität und Trinkwasser (ONEE) wurde die Umsetzung des Programms „Noor Atlas“ offiziell eingeleitet. Das Projekt sieht den Bau von sechs Solarkraftwerken mit einer installierten Gesamtleistung von 305 MW vor. Die Standorte verteilen sich auf strategisch wichtige Regionen wie Aïn Béni Mathar, Boudnib, Bouanane, Enjil sowie Tata und Tan-Tan.

Die Finanzierung dieses Vorhabens stützt sich nach offiziellen Angaben auf eine Kombination aus zinsgünstigen Krediten der deutschen KfW und der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie kommerziellen Mitteln der Bank of Africa. Die Inbetriebnahme der Anlagen ist ab Juli 2027 geplant. Ziel sei es, die Servicequalität auf regionaler Ebene zu verbessern und durch die Zusammenarbeit marokkanischer und europäischer Unternehmen einen nachhaltigen Technologietransfer zu gewährleisten.

Technologiewechsel in Midelt: Von der Solarthermie zur Photovoltaik mit Batteriespeicher

Ein wesentlicher Aspekt der aktuellen Phase ist der technologische Wandel am Standort Midelt. Während das Pionierprojekt Noor Midelt 1 noch maßgeblich auf die konzentrierte Solarthermie (CSP) setzte, die Wärme in Flüssigsalz speichert, markieren Noor Midelt 2 und 3 einen Wechsel zur Photovoltaik (PV) in Kombination mit Batteriespeichersystemen (BESS).

Die vergebenen Projekte verfügen über eine Leistung von jeweils 400 Megawatt-Peak (MWp) und einen Speicher von 602 Megawattstunden (MWh). Dieser technologische Shift gilt als Reaktion auf die gesunkenen Kosten für PV-Module und Batterien. Das Hybridsystem soll es ermöglichen, bis zu 230 MW Leistung gezielt während der abendlichen Verbrauchsspitzen einzuspeisen, was die Flexibilität des nationalen Stromnetzes im Vergleich zu reinen Solaranlagen deutlich erhöht.

Strategische Akteure: Saudi-arabisches Kapital trifft auf marokkanische Institutionen

Hinter dem Ausbau stehen Akteure mit erheblicher wirtschaftlicher und politischer Reichweite. Den Zuschlag für Noor Midelt 2 und 3 erhielt ein Konsortium unter der Führung von ACWA Power. Das saudi-arabische Unternehmen, an dem der saudische Staatsfonds PIF maßgeblich beteiligt ist, gehört weltweit zu den größten privaten Akteuren im Energiesektor.

Marokko – Hintergründe zur Beauftragung von ACWA Power und Nareva bei Noor Midelt 2 und 3

Der entscheidende lokale Partner im Konsortium ist die Nareva Holding. Nareva wiederum ist eine Tochtergesellschaft von Al Mada, dem privaten Investmentfonds der marokkanischen Königsfamilie, dessen Hauptanteilseigner König Mohammed VI. ist. Diese Konstellation aus internationaler Investitionskraft und lokaler institutioneller Verankerung ermöglichte es dem Konsortium, sich gegen starke europäische Konkurrenten wie die französische EDF oder die spanische Iberdrola durchzusetzen.

Transparenz und Wettbewerb in einem wachsenden Markt

Die Vergabe an ein Konsortium mit engen Verbindungen zur nationalen Wirtschaftsspitze hat in der Branche jedoch auch Diskussionen ausgelöst. Während Masen betont, dass die Entscheidung ausschließlich auf Basis technischer und wirtschaftlicher Kriterien fiel, verweisen Beobachter – unter anderem in Berichten von Medias24 – auf potenzielle „oligopolistische Tendenzen“. Es steht die Frage im Raum, ob die Vergabe-Strukturen Akteure begünstigen, die bereits tief in der regulatorischen und politischen Architektur des Landes verwurzelt sind.

Letztlich wird der Erfolg von Noor Atlas und Noor Midelt daran gemessen werden, ob die versprochene Senkung der Energiekosten und die angestrebte Energieunabhängigkeit tatsächlich beim Endverbraucher ankommen.

Marokko – Energie-Großprojekte NOOR Midelt 2 & 3 an ACWA Power vergeben.

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