Nach den Parlamentswahlen vom 23. September vervierfacht die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) ihre Mandate auf 54 Sitze, wählt jedoch trotz des Zugewinns den Gang in die Opposition.
Rabat – Nach den marokkanischen Parlamentswahlen vom 23. September 2026 geht die islam-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) geschlossen in die Opposition. Wie das Generalsekretariat der PJD im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung unter Leitung von Parteichef Abdelilah Benkirane mitteilte, schließt die Partei eine Beteiligung an einer Regierung unter Führung der Partei für Authentizität und Moderne (PAM) aus. Die PAM ging nach dem inzwischen amtlichen Ergebnis mit 97 Sitzen als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor.
Der ehemalige Premierminister (2011 bis 2016) Benkirane begründete die Absage an ein Bündnis unter anderem mit Vorwürfen von Unregelmäßigkeiten während des Wahlkampfs. Die PJD verstehe ihre Rolle daher weiterhin als „verantwortungsvolle und starke nationale Opposition“. Bei den Abstimmungen konnte die PJD ihr Ergebnis im Vergleich zu den Wahlen von 2021 (13 Sitze) deutlich auf 54 Mandate steigern und zog als viertstärkste Kraft in das Parlament ein. Laut Parteierklärung habe man sowohl in größeren und mittelgroßen Städten als auch in ländlichen Wahlkreisen wieder an Zustimmung gewonnen.
Kritik an geringer Wahlbeteiligung
Deutliche Kritik äußerte die Parteiführung an der geringen Wahlbeteiligung, die das Innenministerium mit 38 Prozent angab. Von rund 15 Millionen registrierten Wählerinnen und Wählern gaben lediglich sechs Millionen ihre Stimme ab. Laut der PJD handelt es sich um den niedrigsten Wert seit 2007. Die Partei führte den Rückgang auf eine Abwertung der politischen Arbeit, eine schwache Leistung der bisherigen Regierung sowie häufige Parteienwechsel im Vorfeld der Wahl zurück.
Die PJD kündigte an, ihre verfassungsmäßigen und politischen Aufgaben aus der Opposition heraus wahrzunehmen und sich auf die Vertretung von Bürgerinteressen zu konzentrieren. Mit dem angekündigten Schritt zeichnet sich für die anstehende Regierungsbildung unter Führung der PAM eine klare Trennung zwischen Regierungsmehrheit und parlamentarischer Opposition ab.
Marokko – PAM gewinnt Parlamentswahl laut vorläufigen Ergebnissen

