Anlässlich des 28. Todestages nach dem islamischen Kalender gedenkt Marokko des verstorbenen Monarchen Hassan II. Das offizielle Gedenken erinnert an den Staatsaufbau, während das historische Erbe auch von der Repression der „bleiernen Jahre“ geprägt bleibt.
Rabat – König Mohammed VI. leitet am heutigen Montag, dem 21. September 2026 (9. Rabii II 1448 nach der Hidschra), eine religiöse Gedenkwache im Mohammed-V.-Mausoleum in Rabat. Anlass ist der 28. Todestag seines Vaters, König Hassan II., nach dem islamischen Kalender.
Wie das Ministerium des Königlichen Haushalts, Protokolls und der Kanzlei in einer offiziellen Mitteilung bekanntgab, wird die Zeremonie ab dem abendlichen Maghrib-Gebet live im Radio und Fernsehen übertragen.
Staatliche Würdigung des „Erbauerkönigs“
In Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur MAP wird Hassan II. anlässlich des Gedenktages als „Erbauerkönig“ und Architekt des modernen marokkanischen Staates gewürdigt. Die staatliche Berichterstattung hebt hervor, dass der 1999 verstorbene Monarch nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1961 wesentliche Grundlagen für die wirtschaftliche und territoriale Entwicklung des Landes gelegt habe.
Zu den hervorgehobenen Initiativen zählen die 1966 gestartete Staudammpolitik zur Sicherung der Wasserversorgung sowie der „Grüne Marsch“ im November 1975 zur Durchsetzung der marokkanischen Ansprüche auf die Westsahara. Auf internationaler Ebene wird an Hassan II. als Vermittler im Nahostkonflikt und als Mitbegründer der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) sowie der Arabischen Maghreb-Union (UMA) erinnert.
Das Schattenreich der „bleiernen Jahre“
Die fast vier Jahrzehnte währende Herrschaft Hassans II. war jedoch von scharfen innenpolitischen Spannungen und schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gezeichnet. Die Epoche von den 1960er- bis Ende der 1980er-Jahre ging als die sogenannten „bleiernen Jahre“ (Les Années de Plomb) in die marokkanische Zeitgeschichte ein.
Unter dem Regime wurden Regierungsgegner, linke Parteien, Gewerkschaften und Amazigh -Aktivisten systematisch überwacht und verfolgt. Tausende Kritiker wurden inhaftiert oder fielen mutmaßlich dem gezielten Verschwindenlassen zum Opfer. Geheime Folter- und Haftzentren wie das Wüstengefängnis Tazmamart oder Derb Moulay Ali Cherif in Casablanca wurden zum Sinnbild der staatlichen Repression. Nach gescheiterten Militärputschen in den Jahren 1971 und 1972 sowie sozialbedingten Massenprotesten – etwa den Unruhen von 1981 und 1990 – griff der Staatsapparat zu teils harter Gewalt.
Aufarbeitung unter Mohammed VI.
In den 1990er-Jahren leitete Hassan II. unter internationalem und innenpolitischem Druck erste politische Reformen ein und berief 1998 eine Oppositionsregierung unter dem Sozialisten Abderrahmane Youssefi.
Nach seinem Tod am 23. Juli 1999 übernahm sein Sohn Mohammed VI. den Thron. Dieser richtete 2004 die sog. Wahrheitskommission Instance Équité et Réconciliation (IER) ein, um die Verbrechen der „bleiernen Jahre“ öffentlich zu untersuchen und Opfer zu entschädigen. Doch bis heute wurde kein Täter angeklagt oder verurteilt. Das Gedenken an Hassan II. bleibt in Marokko somit im Spannungsfeld zwischen staatlich gewürdigtem Staatsaufbau und der Erinnerung an jahrzehntelange autoritäre Härte.

