Rabat reagiert mit scharfer Kritik auf die militärische Eskalation im Nahen Osten, während Teheran die Angriffe als gezielte Vergeltung gegen ausländische Militärpräsenz rechtfertigt.
Rabat – Die Sicherheitslage im Nahen Osten hat am 28. Februar 2026 eine neue, kritische Stufe erreicht. Nachdem das Territorium mehrerer arabischer Staaten zum Ziel iranischer Raketenschläge wurde, hat das Königreich Marokko seine volle Solidarität mit den betroffenen Partnerländern bekundet. Die Ereignisse folgen auf eine großangelegte militärische Operation der USA und Israels gegen iranische Ziele, was die Region in eine Spirale der Gewalt zu ziehen droht.
Marokkanisches Außenministerium spricht von eklatantem Souveränitätsverstoß
In einer offiziellen Stellungnahme verurteilte das marokkanische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten die iranischen Raketenangriffe am heutigen Samstag auf das Schärfste. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur MAP bezeichnete Rabat die Angriffe als „verabscheuungswürdig“ und als „eklatante Verletzung der nationalen Souveränität“ befreundeter Staaten wie Saudi-Arabien, der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains, Qatars, Kuwaits und Jordaniens.
Marokko betonte, dass die Sicherheit dieser Länder unteilbar sei. Das Königreich sicherte seinen Partnern volle Unterstützung bei allen Maßnahmen zu, die zur Verteidigung ihres Territoriums und zum Schutz ihrer Bürger ergriffen werden.
Teherans Rechtfertigung: Gezielte Schläge gegen US-Militärinfrastruktur
Aus iranischer Sicht stellten die Raketenstarts unter dem Codenamen „Wahre Verheißung 4“ einen Akt der Selbstverteidigung dar. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi betonte in diplomatischen Telefonaten am Samstag, dass die Angriffe eine direkte Reaktion auf die vorangegangenen US-israelischen Luftschläge gegen den Iran seien.
Wichtig für die regionale Einordnung ist laut Berichten der Agentur KUNA, dass Araghchi bereits im Vorfeld beziehungsweise begleitend zu den Operationen Kontakt zu seinen Amtskollegen in der Golfregion aufnahm. Dabei unterstrich er, dass die iranischen Aktionen ausschließlich auf US-Militärstützpunkte wie das Hauptquartier der 5. Flotte in Bahrain oder die Basis Al-Udeid in Qatar abzielten und nicht gegen die arabischen Nationalstaaten selbst gerichtet seien. Iran sieht die betroffenen Länder in der Verantwortung, eine Nutzung ihres Bodens für Angriffe gegen Teheran zu unterbinden.
Internationale Gemeinschaft mahnt zur Rückkehr an den Verhandlungstisch
Angesichts der Einschläge, die unter anderem in Abu Dhabi ein Todesopfer forderten, rief UN-Generalsekretär Antonio Guterres zur „sofortigen Einstellung der Kampfhandlungen“ auf. Er warnte davor, dass die aktuelle Eskalation den internationalen Frieden und die Sicherheit massiv untergrabe. Guterres betonte, dass es keine Alternative zu einer friedlichen Beilegung auf Basis der UN-Charta gebe.
Während Marokko eine klare politische Positionierung vornimmt, zeigt sich im Maghreb ein differenziertes Bild: Algerien konzentrierte sich laut aktueller Mitteilungen primär auf den Schutz seiner eigenen Staatsbürger durch die Einrichtung eines Krisenstabs, verzichtete jedoch auf eine explizite namentliche Verurteilung der Akteure. Diese diplomatische Zurückhaltung unterstreicht die Komplexität der Bündnisstrukturen, in denen Marokko fest an der Seite seiner strategischen Partner am Golf steht. Hinzu kommt, dass Marokko ein enger Verbündeter der USA und Israels ist und derzeit keine diplomatischen Beziehungen zum Iran hat, weil dieser über die Hisbollah mutmaßlich gemeinsam mit Algerien die Frente Polisario unterstützt.

