StartMarokkoMarokko – Handelsbilanzdefizit steigt im ersten Halbjahr 2026 um 23,5 Prozent

Marokko – Handelsbilanzdefizit steigt im ersten Halbjahr 2026 um 23,5 Prozent

Automobil- und Luftfahrtsektor stützen die Exporte

Stark gestiegene Energiepreise und die Einfuhr von Investitionsgütern drücken die Importdeckungsquote auf den tiefsten Stand seit acht Jahren.

Rabat – Marokkos Handelsbilanzdefizit hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich vergrößert. Wie aus aktuellen Daten des marokkanischen Devisenamts hervorgeht, stieg die Lücke zwischen Importen und Exporten bis Ende Juni um 23,5 Prozent auf 198,38 Milliarden marokkanische Dirham bzw. aktuell ca. 18,15 Mrd. EURO. Im Vorjahreszeitraum lag das Defizit bei 160,58 Milliarden Dirham bzw. ca. 14,69 Mrd. EURO. Infolgedessen sank die Importdeckungsquote um 2,8 Prozentpunkte auf 56,8 Prozent – den niedrigsten Wert seit 2018.

Hauptursache für die Entwicklung ist ein ungleiches Wachstum der Handelsströme. Während die Einfuhren um 15,3 Prozent auf 458,77 Milliarden Dirham oder ca. 41,97 Mrd. EURO zulegten, stiegen die Ausfuhren lediglich um 9,7 Prozent auf 260,39 Milliarden Dirham oder 23,82 Mrd. EURO.

Hohe Energiekosten und steigende Ausrüstungsimporte

Besonders die Energiekosten belasteten die Handelsbilanz erheblich. Die Importe von Energie und Schmierstoffen kletterten um 28,9 Prozent auf 68,58 Milliarden Dirham oder ca. 6,27 Mrd. EURO. Neben höheren Liefermengen bei Diesel und Heizöl machten sich geopolitische Spannungen im Nahen Osten bemerkbar, die zu Preisanstiegen auf den internationalen Märkten führten; der Preis für Rohöl der Sorte Brent überschritt im Juli die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel.

Zudem stiegen die Einfuhren von Fertigausrüstungen und Investitionsgütern um 21,2 Prozent auf 112,34 Milliarden Dirham. Treiber waren unter anderem höhere Käufe von Nutzfahrzeugen (+73,7 Prozent) sowie Flugzeugen und Luftfahrtkomponenten (+136,2 Prozent). Auch bei den Konsumgütern stiegen die Zukäufe im Ausland, darunter Personenkraftwagen (+18,1 Prozent) und pharmazeutische Erzeugnisse (+15,4 Prozent).

Automobil- und Luftfahrtsektor stützen die Exporte

Auf der Exportseite blieben moderne Industriezweige die maßgeblichen Wachstumsträger. Die Automobilbranche verzeichnete ein Plus von 17,4 Prozent auf 93,65 Milliarden Dirham, während die Ausfuhren der Luftfahrtindustrie um 19,3 Prozent auf 17,32 Milliarden Dirham zulegten. Der Agrar- und Ernährungssektor wuchs um 5,7 Prozent auf 52,38 Milliarden Dirham.

Dagegen gingen die Exporte von Phosphaten und Phosphatderivaten um 2,3 Prozent auf 45,42 Milliarden Dirham zurück. Auch der Textil- und Ledersektor (-6,5 Prozent auf 21,6 Milliarden Dirham) sowie die Elektroniksparte (-4,4 Prozent auf 6,62 Milliarden Dirham) verzeichneten Einbußen.

Ein marokkanischer Industrieller wies gegenüber dem Nachrichtenportal Le360 darauf hin, dass der Defizitanstieg differenziert bewertet werden müsse. Während importierte Energie primär den laufenden Bedarf decke, diene die Einfuhr von Maschinen und Transportmitteln dem Ausbau der industriellen Infrastruktur. Die zentrale wirtschaftliche Aufgabe bestehe nun darin, diese investierten Kapazitäten künftig in ein höheres Exportvolumen zu übersetzen.

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