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Marokko – Fünf Empfängerprofile in der Sozialhilfe identifiziert – Programm erreicht 12,5 Millionen Menschen

Opposition fordert Überprüfung der Kriterien

Die Nationale Agentur für Soziale Unterstützung hat Haushalte im Programm der direkten Sozialhilfe erstmals in fünf typische Gruppen eingeteilt. Die Regierung beziffert die Zahl der Begünstigten auf 12,5 Millionen Menschen bei Ausgaben von 51 Milliarden Dirham.

Rabat – Marokkos Nationale Agentur für Soziale Unterstützung (ANSS) hat fünf typische Profile von Haushalten identifiziert, die Leistungen aus dem Programm der direkten Sozialhilfe beziehen. Die am Donnerstag veröffentlichte Analyse soll dazu beitragen, die staatliche Unterstützung stärker an die unterschiedlichen Lebenslagen der Begünstigten anzupassen.

Nach Angaben der ANSS wurden Haushalte mithilfe statistischer Klassifizierungsmethoden anhand gemeinsamer Merkmale wie Familienstruktur, Alter, Geschlecht und Wohnort gruppiert. Die Behörde erklärte in einer Pressemitteilung, dadurch könnten die Bedürfnisse der Empfänger besser erfasst und soziale Maßnahmen gezielter ausgestaltet werden.

Die größte Gruppe bilden sogenannte „neu entstehende Haushalte“ mit rund 1,21 Millionen Familien. Dabei handelt es sich überwiegend um Familien mit kleinen Kindern, deren Haushaltsvorstände meist in den Vierzigern sind. Die ANSS verweist auf finanzielle Belastungen durch Kindererziehung und schwankende Einkommen.

Weitere identifizierte Gruppen sind „Haushalte im Übergang“ mit knapp 986.000 Familien, ältere Paare ohne ausreichende Renteneinkünfte, alleinlebende ältere Frauen sowie rund 157.000 alleinstehende Personen ohne familiäre Unterstützung. Laut der Agentur weisen diese Gruppen unterschiedliche Formen sozialer und wirtschaftlicher Verwundbarkeit auf und benötigen entsprechend angepasste Unterstützungsangebote.

Regierung verweist auf Umfang des Programms

Die Veröffentlichung der ANSS fällt in eine Phase anhaltender Debatten über die direkte Sozialhilfe. Regierungssprecher Mustapha Baïtas erklärte am Donnerstag nach der Sitzung des Regierungsrats, das Programm habe bislang 12,5 Millionen Menschen beziehungsweise rund vier Millionen Familien erreicht. Die bisherigen Ausgaben beliefen sich demnach auf rund 51 Milliarden marokkanische Dirham MAD oder ca. 4,76 Milliarden EUR.

Nach Angaben der Regierung profitieren etwa 5,5 Millionen Kinder von den Leistungen. Zudem umfasse das Programm rund 1,7 Millionen Menschen im Alter von über 60 Jahren. Regierungssprecher Baïtas erklärte weiter, 60 Prozent der Begünstigten lebten in ländlichen Gebieten oder besonders benachteiligten Regionen.

Die Regierung verweist zudem darauf, dass die ärmsten 30 Prozent der Bevölkerung 84 Prozent der ausgezahlten Hilfen erhielten. Dies zeige, dass die Unterstützung auf besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sei.

Opposition fordert Überprüfung der Kriterien

Mehrere Oppositionsparteien, darunter die USFP, die PPS, die MP und die PJD, kritisieren jedoch weiterhin die Kriterien zur Auswahl der Begünstigten. Nach ihrer Auffassung werden dadurch zahlreiche bedürftige Menschen vom Programm ausgeschlossen. Sie fordern deshalb eine Überarbeitung der Anspruchsvoraussetzungen.

Während die Regierung die Reichweite und Zielgenauigkeit der Sozialhilfe hervorhebt, dürfte die Debatte über die Auswahlkriterien weitergehen. Die neue Segmentierung der Empfänger liefert der ANSS nun zusätzliche Daten, um Unterstützungsmaßnahmen künftig differenzierter auszurichten.

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