Ein aktueller Bericht der Hohen Planungskommission HCP zeigt weiterhin deutliche Lücken beim Krankenversicherungsschutz. Zugleich tragen die Haushalte einen großen Teil der Gesundheitsausgaben selbst.
Rabat – In Marokko verfügt fast ein Drittel der Bevölkerung weiterhin über keinen Krankenversicherungsschutz. Nach Angaben der Hohen Planungskommission (Haut-Commissariat au Plan, HCP) lag die medizinische Versorgungsquote im Jahr 2024 bei 69,8 Prozent. Damit hatten 30,02 Prozent der Bevölkerung keine Krankenversicherung.
Die Zahlen stammen aus der Ausgabe 2026 der HCP-Publikation „Sozialindikatoren Marokkos“. Die marokkanische Tageszeitung Assabah berichtete darüber in ihrer Ausgabe vom Dienstag, 11. August.
Deutliche regionale Unterschiede
Der HCP-Bericht weist erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen aus. Die höchste Quote bei der medizinischen Versorgung wurde mit 75,5 Prozent in Fès-Meknès registriert. Am niedrigsten lag sie in Tanger-Tétouan-Al Hoceïma mit 62,2 Prozent.
Auch bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung zeigt sich eine hohe Belastung der Haushalte. Nach den HCP-Daten wurden 59,7 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben direkt von den Haushalten getragen.
Für 11,3 Prozent der Bevölkerung machten die Gesundheitsausgaben mehr als zehn Prozent des gesamten Haushaltsbudgets aus. Medizinische Kosten können damit für einen Teil der Bevölkerung einen erheblichen Anteil der verfügbaren Haushaltsmittel beanspruchen.
Rund 32.000 Ärzte im Land
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in Marokko insgesamt knapp 32.000 Ärzte. Das entspricht einem Verhältnis von 8,7 Ärzten je 10.000 Einwohner. Im Pflege- und paramedizinischen Bereich liegt das Verhältnis bei 10,9 Kräften je 10.000 Einwohner.
Bei der Gesundheitsinfrastruktur werden 177 in Betrieb befindliche Krankenhäuser, 3.065 Gesundheitseinrichtungen und rund 28.000 Krankenhausbetten landesweit ausgewiesen.
Deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land
Die sozialen Unterschiede zeigen sich auch bei den Armutsindikatoren. Die absolute Armutsquote liegt nach den genannten HCP-Daten bei 3,9 Prozent. Das entspricht rund 1,42 Millionen Menschen unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Weitere rund 4,75 Millionen Menschen gelten als gefährdet.
Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Im ländlichen Raum beträgt die absolute Armutsquote 6,9 Prozent, gegenüber 2,2 Prozent in den Städten.
Auch bei prekären Lebensverhältnissen und Verwundbarkeit liegt die Quote auf dem Land deutlich höher. Sie beträgt dort 19,2 Prozent, während sie in den Städten bei 9,5 Prozent liegt.
Die aktuellen HCP-Daten zeigen damit weiterhin deutliche Unterschiede beim Krankenversicherungsschutz, bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung und bei den sozialen Lebensbedingungen. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten.

