Durch institutionelle Reformen und eine stärkere Bürgerbeteiligung klettert das Königreich im internationalen Vergleich des Open Budget Survey (OBS) weiter nach oben und setzt sich deutlich von seinen Maghreb-Nachbarn ab.
Rabat – Marokko verzeichnet messbare Fortschritte bei der Offenlegung und Kontrolle seiner Staatsfinanzen. Wie aus dem aktuellen Bericht der International Budget Partnership (IBP) vom 15. April 2026 hervorgeht, konnte das Land seine Bewertung im Bereich der Budgettransparenz deutlich steigern. Mit einem Wert von 51 von 100 Punkten übertrifft Marokko das Ergebnis von 2023 (47 Punkte) und festigt damit einen mehrjährigen Aufwärtstrend, der das Land international als stabilen Partner positioniert.
Unabhängige Analyse durch den Open Budget Survey
Hinter diesen Zahlen steht der sogenannte Open Budget Survey (OBS), die weltweit einzige unabhängige und vergleichende Untersuchung zur Haushaltstransparenz. Die IBP bewertet dabei Länder anhand von drei zentralen Säulen: der rechtzeitigen Veröffentlichung von acht Kern-Haushaltsdokumenten, den formalen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung sowie der Effektivität von Kontrollinstanzen wie dem Parlament und dem nationalen Rechnungshof.
Die Datenerhebung erfolgt durch unabhängige Experten vor Ort und unterliegt einem strengen Peer-Review-Verfahren. Dass Marokko hier kontinuierlich punktet, ist ein Signal an internationale Finanzinstitutionen und Investoren, dass die Rechenschaftspflicht im Königreich zunehmend institutionell verankert wird.
Regionaler Vergleich: Marokko als Vorreiter im Maghreb
Im direkten Vergleich mit den anderen Maghreb-Staaten wird die Sonderstellung Marokkos besonders deutlich. Während das Königreich mit 51 Punkten die Marke der „ausreichenden Transparenz“ anstrebt, verharren die Nachbarstaaten in deutlich niedrigeren Bereichen:
- Algerien: Mit lediglich 15 Punkten weist das Land erhebliche Defizite auf. Viele zentrale Haushaltsdokumente werden entweder gar nicht erst erstellt oder verbleiben ausschließlich im internen Gebrauch der Verwaltung.
- Tunesien: Einst ein regionaler Hoffnungsträger, ist das Land auf 11 Punkte zurückgefallen. Die politische Instabilität der letzten Jahre hat die regelmäßige Veröffentlichung von Finanzdaten und die Wirksamkeit von Kontrollmechanismen massiv geschwächt.
- Mauretanien: Mit Werten von unter 10 Punkten fehlt es hier oft an den grundlegendsten Voraussetzungen für eine öffentliche Haushaltskontrolle.
Marokko belegt damit in der gesamten MENA-Region (Nahost und Nordafrika) den dritten Platz hinter Jordanien und Ägypten. Der entscheidende Vorsprung gegenüber den direkten Nachbarn liegt in der Kontinuität der Reformen, insbesondere durch das Organgesetz zum Finanzgesetz (LOLF), das verbindliche Standards für die Berichterstattung setzt.
Parlamentarische Kontrolle und Bürgerbeteiligung im Aufwind
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der Haushaltskontrolle, die von 43 auf 51 Punkte stieg. Dies wird primär der aktiveren Rolle der Legislative zugeschrieben, deren individuelle Bewertung auf 55 Punkte kletterte. Auch der Rechnungshof wird als zentraler Akteur bei der Überwachung der öffentlichen Mittel hervorgehoben.
Parallel dazu verzeichnete die Bürgerbeteiligung einen signifikanten Sprung von 60 % im Vergleich zum Vorzeitraum. Mit einem Plus von 9 Prozentpunkten erreicht Marokko in dieser Kategorie regional den zweiten Platz. Es zeigt sich, dass geschaffene Mechanismen, die der Öffentlichkeit den Zugang zu Budgetprozessen ermöglichen, in der Praxis ankommen und nicht nur auf dem Papier existieren.
Strategischer Rahmen 2026–2032: Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Diese Entwicklung ist in eine langfristige Reformdynamik eingebettet, die mit der Verfassung von 2011 und dem Gesetz über den Zugang zu Informationen von 2019 flankiert wurde. Mit dem nun verabschiedeten Strategischen Rahmen für die Reform der öffentlichen Finanzen 2026–2032 leitet Rabat die nächste Phase ein.
Das Programm setzt auf moderne Instrumente wie eine neue „Open Budgeting“-Plattform, die Daten zugänglicher und verständlicher aufbereiten soll. Zudem werden erstmals gezielt Querschnittsthemen wie Geschlechtergerechtigkeit, Klimaschutz und territoriale Aspekte in die Finanzplanung integriert. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen mit den Anforderungen einer modernen, transparenten Verwaltung zu verknüpfen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie effektiv diese digitale Transformation die Teilhabe der Bevölkerung weiter vertiefen kann.

