Trotz staatlicher Subventionen stiegen die Schafpreise in Casablanca auf Rekordniveau und belasteten die Haushalte zum Opferfest.
Casablanca – Zum islamischen Opferfest (Aïd al-Adha) 2026, das am heutigen Mittwoch gefeiert wird, haben die Viehmärkte in Marokko eine massive Verteuerung der Opfertiere verzeichnet. Wie eine Stichprobe des Wirtschaftsmagazins Médias24 auf zwei großen Märkten in Casablanca zeigt, überstiegen die Kosten für die Tiere das Budget vieler Familien deutlich. Die Entwicklung sorgte im Vorfeld für erhebliche Frustration, da das Landwirtschaftsministerium eine ausreichende Versorgung und stabile Preise versprochen hatte.
Hohe Kosten bei begrenztem Angebot
Sowohl auf dem traditionellen Markt an der Internationalen Messe als auch auf dem Schlachthofmarkt in Hay Mohamadi zeigte sich am letzten Wochenende vor dem Fest ein spärliches Angebot. Für ein sechs bis sieben Monate altes Lamm verlangten Händler laut dem Bericht des marokkanischen Mediums zuletzt zwischen 3.000 und 4.000 marokkanische Dirham (MAD). Ein Tier, das älter als ein Jahr ist und damit den rituellen Vorschriften entspricht, kostete mindestens 5.000 bis 5.500 MAD.
Beim Verkauf nach Gewicht stieg der Kilopreis auf dem Schlachthofmarkt innerhalb einer Woche von zuvor 73 bis 77 MAD auf bis zu 80 MAD an. Eine minimale Entspannung verzeichneten am vergangenen Montag lediglich die Supermärkte, die ihre Preise geringfügig auf 78 MAD pro Kilo senkten, um unzufriedene Kunden abzufangen.
Verbraucherfrust und Marktmechanismen
Die Reaktionen der Käufer waren von großem Unmut geprägt. Beobachter führen das Preisniveau unter anderem auf eine gezielte Taktik der Händler zurück: Zu Wochenbeginn wurden vor allem sehr große, teure Tiere für über 12.000 MAD präsentiert. Dieser psychologische Ankereffekt habe die Wahrnehmung der Kunden verschoben, sodass kleinere Tiere für 4.000 MAD im Verhältnis akzeptabel erschienen, obwohl auch sie stark überteuert waren.
Zudem zeigt sich ein demografischer Wandel auf den Märkten: Laut Daten der jüngsten Volkszählung agieren immer mehr Frauen als Haushaltsvorstände. Sie verfügen oft über knappe Mittel und müssen besonders hart verhandeln. Es droht eine weitere Spaltung des Festes, bei der wohlhabende Schichten problemlos kaufen, während die ärmere Bevölkerung gänzlich ohne Opfertier bleibt.
Strukturelle Defizite der Lieferkette
Das Opferfest 2026 ist das erste nach der vollständigen Absage im Jahr 2025. Zwar führten staatliche Subventionen seit 2023 und ein regnerisches Jahr zu einer teilweisen Erholung der Bestände, doch die eigentlichen Marktstrukturen blieben unreformiert. Während die staatliche Gesundheitsbehörde ONSSA die Kontrollen und die Rückverfolgbarkeit per Ohrmarke erfolgreich umsetzte, erwiesen sich die politischen Instrumente zur Preisregulierung als wirkungslos. Die Lieferkette bleibt zersplittert und anfällig für Spekulationen. Offen bleibt, wie Marokko seine Viehzucht- und Handelsstrukturen nachhaltig reformieren will, um den Endverbraucher künftig vor solchen Preisschocks zu schützen.

